Geschichte der Stadtbibliothek Diez

„Wie den einzelnen Menschen, so kann man auch die Städte je nach ihrer Einstellung zu den geistigen Werten ihres Volkes und darüber hinaus der gesamten Menschheit beurteilen. Die in einer Stadt vorhandenen Bibliotheken, seien sie nun öffentlicher oder privater Art, sind der beste Wertmesser für die geistigen Bedürfnisse ihrer Bewohner.“

Dies sind die einleitenden Sätze eines Artikels von Robert Heck über die Diezer Bibliotheken; veröffentlicht in: Nassauische Blätter, Januar-Heft 1927. Ein  hoher Anspruch, der in Diez im 18. Jahrhundert seine höchste Entsprechung fand. Neben der ausgezeichneten Schlossbibliothek in Oranienstein und der hervorragenden Bücherei der alten Lateinschule, gaben mehrere wertvolle private Büchersammlungen einem großen Teil der Diezer Bürger geistige Anregungen. Ihr erster Geschichtsschreiber, Geheimer Kirchenrat Dr. J. H. Steubing, stellte in dieser Hinsicht den Einwohnern der Grafenstadt das beste Zeugnis aus, indem er urteilte: „Es herrscht viel Lektüre“.

Bedingt durch gesellschaftliche Veränderungen setzte sich diese positive Entwicklung jedoch nicht fort. Die Bibliotheken wurden zum größten Teil aufgelöst: An geistigen Werten im Allgemeinen  und an einer Stadtbibliothek im Besonderen bestand keinerlei Interesse! Vergleicht man die Entstehung einer Bibliothek mit der eines Flusses, so drohte hier eine Quelle zu versiegen. Der Geschäftsführer des Main-Rheinischen Verbandes für Volksbildung, Herr Georg Volk, entdeckte diese Quelle und brachte sie im Oktober 1904 erneut zum Sprudeln:
Die Stadtbibliothek Diez wurde gegründet!

Ein Freundeskreis, auch mit Mitgliedern von außerhalb, trug durch Geld- und Sachspenden dazu bei, dass schon bald ein kleiner Bach zu fließen begann. Natürlich erfolgte auch eine regelmäßige Finanzierung durch die Stadt Diez als Träger. Einen beachtlichen Zufluss erhielt die Stadtbibliothek durch die Stiftung Spielmanniana. Die Witwe des nassauischen Geschichtsforschers und Dichters, Hofrat Dr. C. Spielmann, ließ diese große und hervorragende Bibliothek der Stadt Diez zukommen. Von den rund 5000 Bänden umfassende Spielmanniana existiert ein gedruckter Katalog; besonders hervorzuheben ist hier die heimatkundliche Abteilung. Im Haus Eberhard konnten nun, unter wechselnden Bibliotheksleitungen, aus einem beachtlichen Angebot Bücher ausgewählt und entliehen werden. Zu einer gravierenden Veränderung kam es, als im Jahr 1976 Rathaus und Haus Eberhard renoviert und umgebaut wurden. Nach einer umfangreichen Reorganisation, unter Mithilfe der damaligen Landesfachstelle für Büchereiwesen Koblenz, bekam die Stadtbibliothek Diez eine neue Adresse: Rathaus Diez  (Hinterhaus), Wilhelmstr. 63

Im Jahr 1988 wurde der inzwischen schon zu einem stattlichen Bach angewachsene Buchbestand noch einmal umgeleitet, in das Hauptgebäude im Rathaus Diez.

Günstige Umstände ließen dort, in Gestalt des Herrn Theodor Osmers, noch einmal einen größeren Nebenfluss einmünden. Seine beachtliche Stiftung ließ das Bachbett zu klein werden: zumal die interessante Bibliothek der Diezer Bürgerin, Frau Dr. Renate Lenz-Fuchs, durch eine Schenkung dazu geflossen war. Durch ein dazugehörendes Erbe finanzieller Art konnte es im Jahr 2007 heißen: Auf zu neuen Ufern! Mithilfe weiterer Finanzierungen durch die Stadt Diez und das Land Rheinland – Pfalz (Fördermittel im Rahmen eines Pilotprojekts und Städtebauförderung) wurde das Projekt „Neue Stadtbibliothek Diez“ verwirklicht. Tatkräftige Hilfestellung leistete die Büchereistelle Koblenz.

Die neue Adresse lautet nun: Stadtbibliothek Diez, Wilhelmstr. 48.

Der aktuelle Buch- und Medienbestand setzt sich momentan wie folgt zusammen:
Magazinbestand: Bibliothek Robert Heck, Kadettenbibliothek, Bibliothek Spielmann,
Bibliothek Dr. Renate Lenz-Fuchs.
Freihandbestand: Romane, Sachliteratur, Kinder- und Jugendliteratur, Hörbücher, DVDs, CD- ROMs, Zeitschriften und Spiele.

Es ist zu wünschen, dass auch in Zukunft die sprudelnde Quelle für die Stadtbibliothek Diez lebendig bleiben wird! Noch zahlreiche Generationen nach uns sollen in ihren Räumen finden, was Menschen für ein erfülltes  Leben brauchen können.